Fachchinesisch übersetzt: Human Resources auf gut Deutsch

Anfang letzter Woche habe ich an einem Webinar zum Thema Mitarbeitergewinnung, oder auf Neu-Deutsch „Recruiting“, teilgenommen. Es ging um das Nutzen verschiedener Suchfunktionen im Internet, um geeignete Kandidaten zu finden. Entspannt saß ich mit einer Tasse Kaffee am PC, Notizbuch und Stift griffbereit, um die neuesten Kniffe und Tricks gleich zu notieren.

Der Referent ist ein echter Experte. Ich bewundere seine Kenntnisse und wie schnell er mit den verschiedenen Möglichkeiten der Suche umgeht. Wahrscheinlich ist er nicht einfach ein Experte, sondern ein Experten-Experte. Ein Experten-Experte, der expertisch spricht.

Hä? – Genau! So ging es mir auch. Ich habe gehört, was der Referent sagte und ihn nicht verstanden. Ich wollte mich gerne bemerkbar machen und um die Erklärung von ein paar Begriffen bitten, nur war jegliche Kommentarfunktion im virtuellen Seminarraum deaktiviert. Dabei hätte es mir schon gereicht, eben diese zwei Buchstaben zu tippen: „Hä?“ Diese Kurzform für „verstehe ich nicht“ hätte wohl jeder Teilnehmer verstanden.

Gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge…

wusste schon Arthur Schopenhauer. Statt Fachchinesisch einfach Klartext sprechen. Das ist leicht, wenn man wichtige Begriffe übersetzt oder bildhaft erläutert, worum es eigentlich geht. Die deutsche Sprache ist präzise und vielfältig. Die Worte lassen sich herrlich aneinander reihen, und es gibt wohl nichts, was wir nicht beschreiben können. Mein Wunsch mach Klartext blieb unerfüllt. Ich saß an meinem PC, lauschte dem Webinarleiter und verstand nur Bahnhof.

Dass immer wieder über den „War for Talents“ gesprochen wird, Vorstellungsgespräche mittlerweile (Job-)Interviews sind und sich die Personaler einfach mehr Commitment der Mitarbeiter wünschen, ist im täglichen Sprachgebrauch schon vertraut. Jetzt soll ich noch flüssig sagen können, dass wir unser Recruiting durch Gamification-Elemente anreichern, um im Talent Mining als Bestandteil des Active Sourcings noch performanter zu werden und nur noch Top Candidates sourcen, die ein spezielles Onboarding-Programm durchlaufen und wir durch unser nachhaltiges Retention Management langfristig den Corporate Braintrust sichern.

Nein, das mag ich nicht. Ich mag keine Worthülsen, keine Unklarheit. Ich sage gerne konkret, was ich meine. Unmissverständlich. Klar und deutlich. Punkt.

Sensibilisiert durch das Webinar habe ich in den letzten Tagen bewusst darauf geachtet, wie wir rund um das Thema Mitarbeiter kommunizieren. Wirklich entsetzt war ich, als ich auf der Homepage eines Beratungsunternehmens las, dass sie neben Online Recruiting auch Real World Recruiting anbieten. Mit einem Briefkastenservice. Ich kann selbst jetzt beim Schreiben das Kopfschütteln nicht unterdrücken. Das Angebot lautet, in der echten Welt Mitarbeiter zu finden, die ihre Bewerbung dann auch noch physisch in einer Mappe per Post versenden dürfen, so dass beim suchenden Unternehmen der reale Briefkasten gefüllt wird. Ungläubig habe ich im Internet nach „real world recruiting“ gesucht – die Trefferliste ist lang.

Sprache schafft Bewusstsein

Das macht mich betroffen. Für mich geht es um Menschen, die wir kennen lernen möchten, um unsere neuen Kollegen, Mitarbeiter oder Führungskräfte. Selbst wenn sich die Arbeitswelt in den nächsten 50 Jahren vollständig wandelt, bleiben es Menschen, die wirklich, ganz real existieren, echt arbeiten und die unsere Wertschätzung und unseren Respekt erfahren möchten.

Sprache schafft Bewusstsein. Darum liegt es mir am Herzen, aufmerksam und mit viel Bewusstheit zu kommunizieren. Ich spreche weiter lieber von der Mitarbeitersuchefinde und davon, die neuen Kollegen mit einem Einarbeitungsprogramm in den ersten Wochen zu unterstützen und die Mitarbeiter für das Unternehmen zu begeistern, so dass sie gerne mit uns arbeiten.

Klartext statt Fachchinesisch. Damit auch meine Leser schneller wissen, was bei all den vermeintlich wichtig klingenden „Fachbegriffen“ gemeint ist, werde ich in Kürze ein eBook veröffentlichen: „HR auf gut deutsch“, das Du hier kostenlos erhalten wirst. Damit Du die Veröffentlichung nicht verpasst, melde Dich doch schon einfach zum Newsletter an, denn meine Abonnenten erfahren als erste von der Veröffentlichung.

Zusammenfassung: Klartext

Der Mensch steht im Mittelpunkt Deiner beruflichen Aktivitäten. Versteck Dich nicht hinter wichtig klingenden Begriffen, die Deine Gesprächspartner nicht verstehen. Sprache schafft Bewusstsein – also schaffe auch in Deiner Kommunikation eine wertschätzende und respektvolle Basis. Die Menschen sind es wert.

Hat Dir der Artikel gefallen? Dann teile ihn gerne.

Hat Dir der Beitrag gefallen?

Du möchtest keinen Tipp mehr verpassen und noch mehr darüber erfahren, wie Du einfach die richtigen Mitarbeiter findest? Erhalte 1 x pro Woche kostenlos Informationen und Tipps für Deinen Personaleralltag.

Deine Daten sind bei mir sicher. Ich gebe sie nicht an Dritte weiter und schicke auch keine ungewollte Werbung.

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Der Jargon der Wirtschaft: „Die meisten Manager reden erschreckend einfallslos“ ist in der Wirtschaftswoche vom 15.12.2014 zu lesen.

    Der Philosoph Jürgen Werner erklärt in dem Artikel, dass die Sprache der Wirtschaft nicht der Wirklichkeit gewachsen sei. Die Sprache sei angstbesetzt. Angst vor Risiko, vor Macht- und Kontrollverlust, vor Fehlern. Vor dem, was Menschen menschlich sein lässt.

    Aus der Angst, etwas Falsches zu sagen und sich eine Blöße zu geben, wird die Sprache in verschachtelte Satzungetüme gebaut und zu einem Sperrgut aus Leerformeln aufgetürmt.

    Der alte Satz von Ludwig Wittgenstein, dass die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt bedeuten, heißt, übertragen auf die Wirtschaft: Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meines Erfolgs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte ergänze, damit Du Deinen Kommentar absenden kannst: *