Interview mit einem Mitarbeiter der Zukunft

Interview mit einemMitarbeiter der Zukunft

Unternehmen klagen, dass sie nicht mehr genug Auszubildende finden. Lehrstellen bleiben unbesetzt. Der „Krieg um die Talente“ hat sich ausgeweitet und betrifft schon längst nicht nur die Fachkräfte, sondern mittlerweile auch die potenziellen Auszubildenden. Unsere Fachkräfte der Zukunft.

Und während die träge Mehrheit noch darüber nachdenkt, wie sie mit der Generation Y klar kommen soll, steht die nächste Generation schon vor den Unternehmenstüren. Oder eben auch nicht. Ist die Generation Z denn noch schwerer zu motivieren? Interessiert sie sich überhaupt für etwas anderes als ihr Smartphone?

Was ist denn nur los mit der Jugend? Klar ist, sie ticken anders. Und das schreibe ich nicht, weil ich Jahrzehnte älter bin. Vor kurzem saß ich mit frischgebackenen Ex-Lehrlingen zusammen und sie klagten über die jüngste Azubi-Generation: „Die sind total respektlos. Das hätte ich mich nicht getraut im ersten Lehrjahr. Die lassen sich nichts mehr sagen.“ So klagten die knapp Zwanzigjährigen.

In Kürze startet wieder das neue Ausbildungsjahr und viele Unternehmen konnten ihre Lehrstellen noch nicht besetzen. Woran hapert´s denn? Die Jugend interessiert sich für nichts mehr – das ist definitiv die falsche Antwort. Interessen hat jeder – nur scheinen wir die der Jungen nicht gut genug zu kennen. Damit sind wir wieder mal an der Stelle, wo ich schon fast predige, dass der Köder dem Fisch schmecken muss. Ja, diese Erkenntnis ist keine Weltneuheit, aber leider immer noch nicht in den Köpfen der Personaler.


Recruiting hat schon lange nichts mehr mit Bewerbersuche zu tun. Es geht vielmehr um ein aktives Verkaufen der offenen Stellen, ein Werben um den optimalen Kandidaten, ein Be-Werben beim richtigen Mitarbeiter.


Werbung, Recruitingkampagnen und letzte Verzweiflungstaten sind Fehlinvestitionen, wenn ich meine Zielgruppe nicht kenne. Also reden wir doch einfach mit ihnen, den gefürchteten „Zombies“.

Ich habe kürzlich die Chance genutzt und mir von einem waschechten Vertreter der Generation Z einiges erklären lassen. Luca ist 14 Jahre alt und beendet im nächsten Jahr die Schule. Hobbies hat er nicht so richtig. Er weiß, dass er mehr Sport machen sollte.

Geduldig hat mir Luca Snapchat erklärt (WhatsApp ist noch im Einsatz, facebook darf er nicht), Rainbow Six Siege gezeigt (meine Wahrnehmung ist schneckenlahm) und mit mir übers Dabben gesprochen. Außerdem hat er meine Fragen zu seinen Berufsvorstellungen beantwortet.

Interview mit einem Generation Z´ler

Hast Du einen Traumberuf? Etwas, das Du liebend gerne machen möchtest?

A: Nicht wirklich. Aber es gibt schon bestimmte Berufe, die ich gerne machen würde.

Was interessiert Dich im Augenblick?

A: Zurzeit CNC-Fräsen, Tättowieren und sonst noch nicht wirklich viel. Ich will was, wo am Computer arbeitet oder etwas mit Zeichnen. Einfach irgendwas, wo man drinnen ist. Ich möchte nicht gerne auf ´nem Rohbau sein.

Wie informierst Du Dich über die Berufe?

A: Wenn ich einen Schulkollegen kenne, und sein Vater arbeitet das, dann würde ich meinen Schulkollegen fragen, ob ich mich mal mit seinem Vater treffen darf oder seine Nummer haben darf.

Fragst Du jeden, welchen Beruf er hat oder gibt es Berufe, wo Du sagst, da möchtest mehr darüber wissen?

A: Wenn ich einen Beruf will, dann frage ich nach. Wenn es nicht geht, dann klappt es nicht. Dann sucht man sich was anderes, was auch noch gut wäre.

Du fragst nach. Gibt es für Dich sonst noch Möglichkeiten, Dich über die Berufe zu informieren?

A: Ja. Im Internet. Oder einfach, wenn ich was hör, dass ich dann da anrufe. Einfach die Nummern aus dem Internet suchen und fragen, ob man dort schnuppern darf.

Wie informierst Du Dich im Internet am Liebsten? Videos, Nachlesen…

A: Beides. Ich schaue mir an, wie so´n Job funktioniert und ob´s einfach passt.  Wenn es mir gefällt, frage ich, ob ich dort mal schnuppern darf und wenn´s mir dort dann gefällt, möchte ich dort vielleicht auch meine Lehre machen.

Es gibt Bücher, in denen Jugendliche in Deinem Alter als Generation Z bezeichnet werden – oder als Generation „Zombie“. Was denkst Du darüber, wenn Du es hörst? Wie findest Du das?

A: *nickt* Weil wir nervig sind manchmal. Weil wir jugendlich sind. Das ist nicht so schlimm.

Wenn Du darüber nachdenkst, wie Dein Berufsweg sein könnte: wie stellst Du Dir das vor?

A: Weiß ich nicht wirklich.

Warum ist für Dich eine Lehre besser als Schule?

A: Schule wird zur Routine. Das ist Standard. Das wird dann langweilig. In der Lehre gibt es mehr Abwechslung.

Wir haben gestern über den Dab gesprochen. Und dass die Erwachsenen das nicht richtig können. Und wenn sie es tun?

A: Das ist total komisch und ungewöhnlich.

Du erwartest also nicht, dass die Erwachsenen sich so verhalten und sprechen wie Du?

A: Nein. Die sollen einfach so reden wie man redet. Einfach professionell.

Danke!

Nach dem Interview war mir sehr bewusst, wie schwierig es ist, als Jugendlicher konkrete Berufswünsche zu entwickeln. Wenn es früher noch klar war, dass Feuerwehrmann, Ärztin oder Astronaut Traumberufe waren, dann sind diese Berufe heute schon lange nicht mehr in. Vielen Kindern wird schon früh gesagt, dass solche Berufe Hirngespinste seien. Stell Dir vor, Dein Kind wünschst sich professioneller Videospieler oder Youtuber zu werden. Ich ahne, dass so etwas auf eben so wenig Begeisterung der Eltern trifft.

So viel Klarheit wie bei diesen zwei gibt es selten. Paul und Max erklären die Berufswelt #1: Was ist eigentlich ein Paläontologe?

Und warum Astronaut vielleicht doch kein Traumberuf ist. Paul und Max erklären die Berufswelt #2: Warum man kein Astronaut werden sollte!

Was bei der Berufswahl wichtig ist

Was ist nun das Fazit aus dem kurzen Interview mit Luca?

#1 Möglichst früh Eindrücke von Berufen vermitteln

Mit 14 oder 15 Jahren kann man sich nur schwer auf einen Traumberuf festlegen, der dann womöglich eine lebenslange Wahl sein soll. Die Jugendlichen haben kaum Vorstellungen von den verschiedenen Berufsbildern und Entwicklungsmöglichkeiten. Unternehmen sollten reichlich Kennenlern- und Schnuppermöglichkeiten anbieten. Und das möglichst früh, auch unabhängig von der Schule. Migros in der Schweiz hat mit dem Mini-Migros einen Raum geschaffen, in dem sie nicht nur Kundenbindung für die Kleinsten betreiben, sondern sich sogar schon als potenzieller Arbeitgeber im Gedächtnis verankern.

Vom Einkaufen, Kassieren und Regal einräumen – exklusiv für die Kinder:

#2 Eltern sind relevante Mit-Entscheider

Eltern und Freunde haben großen Einfluss auf die Berufswahl. Die Jugendlichen orientieren sich im eigenen Umfeld. Die Meinung und Einschätzung der Eltern ist relevant für die Berufswahl. Das heißt, neben den Jugendlichen sind ihre Eltern eine zweite Zielgruppe, die es zu überzeugen gilt.

#3 Sein wie man ist – Authentizität gefragt

Die Jugendlichen informieren sich persönlich oder online über die verschiedenen Berufe. Mit einem attraktiven Ausbildungsberuf im Internet gefunden zu werden, wird somit zur Grundvoraussetzung. Gute Informationen überzeugen. Authentisch sollen sie sein und ein realistisches Bild des Berufes bieten; dazu gehören auch die vielleicht unbequemen Aspekte. Den Youtube-Stars nimmt man es übrigens ab, „Alter, der Job ist echt nice!“ – und uns Personalern nicht. Wir sollen „einfach reden, wie man so redet.“ Das ist auch gut so.

P.S. Ich trainiere jetzt auch keine Dabs mehr. Ist hoffnungslos. 😉 Hier ein wahrhaft royaler Dab:

 

Hauptsache kein Mathe: Azubi Recruiting 2017

Ganz aktuell gibt es noch mehr Hinweise, praktische Tipps und Erste-Hilfe-Maßnahmen im halbtägigen Seminar „Hauptsache kein Mathe: Azubi Recruiting 2017“. Wir liefern Ideen, wie die Lehrstelle 2017 doch noch besetzt werden kann und viele Anregungen, was für die nächste Werberunde optimiert werden darf. Interesse? Dann auf nach Osnabrück – am 02. Juni 2017 geht´s ums Überleben in der Zombie-Welt. 😉

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