Jammerfreie Bürozone

Jammerfreie Bürozone

„Wie war Dein Urlaub?“ – „Der Urlaub war total schön, aber kaum bin ich zwei Stunden im Büro, ist die ganze Erholung schon weg. Und stell Dir vor, meine Kollegen haben in den zwei Wochen noch nicht einmal die Blumen gegossen. Wie die jetzt aussehen!“ Das Jammern ging noch eine Weile während des Telefonats weiter und ich habe mir gewünscht, besser nicht nach dem Urlaub gefragt zu haben.

So geht es auch meiner Kundin, die mir geschrieben hat, dass sie in ihrem Beruf als Personalerin wirklich gerne die Mitarbeiter unterstützt und ihnen hilft. Nur würde sie immer mehr den Spaß an ihrem Beruf verlieren, weil so viele Kollegen sie als Kummerkasten und Jammerstation missbrauchen.

Wahrscheinlich kennst Du das: es gibt immer Menschen, die etwas zu meckern haben, egal wie schön und toll ihr Leben scheint. Das Wetter passt nie, der Chef ist ungerecht, die Krankenkassenbeiträge zu hoch, bei der Beförderung wurde jemand wieder nicht berücksichtigt und die Steuergesetze sind das allerletzte. Das Leben ist einfach ungerecht. Zumindest glauben einige Menschen fest für sich daran.

Jammern gehört zum Geschäft

Warum eigentlich? Sofern damit gemeint ist, dass Unternehmen erfolgreich sind, wenn sie immer wieder Dinge zum Verbessern finden und sich so weiter entwickeln, dann stimme ich gerne zu.

Allerdings beinhaltet „Jammern“ für mich ein zielloses Meckern und Nörgeln. Ziellos in dem Sinne, dass der „Jammerlappen“ oder Grantler seine Situation gar nicht ändern möchte, sondern des Nörgelns wegen nörgelt. Und auch damit wird der Jammerer ein Ziel erreichen wollen: Aufmerksamkeit, Zuwendung, Trost oder ein Miteinander durch Mit-Jammerer.

Schon als Kinder lernen wir, dass Jammern nutzbringend ist. Ein jammerndes Kind bekommt die Aufmerksamkeit seiner Eltern. Nicht umsonst werden die Süßigkeiten an der Kasse auch „Quengelware“ genannt. ;o)

Jammern als Psychohygiene?

Jammern und Klagen – wer kann sich davon ausnehmen? Wer hat sich noch nie beim Autofahren über den langsamen Fahrer vor sich aufgeregt oder darüber, dass mal wieder kein Parkplatz frei ist? Wir alle jammern manchmal.

„Der Dreck muss weg! Aber wie zu langes Baden die Haut runzelig macht, schadet zu viel Jammern dem Gemüt.“ heißt es in einem Artikel. Die Autorin schlägt sogar vor, sich eine Jammerzone einzurichten, um dort und nur dort für eine bestimmte Zeit bewusst zu jammern.

Bewusst. Für eine bestimmte Zeit. Nicht gewohnheitsmäßig, destruktiv und dauerhaft. Denn Jammern ist Energieverschwendung. Eine Psychologin hat Jammern einmal mit einem Schaukelstuhl verglichen: Du verbrauchst Energie, um zu schaukeln, kommst aber nicht vom Fleck.

Profi-Jammerer und Gewohnheits-Nörgler wollen sich meist auch nicht bewegen. Sie haben ihre eigene Strategie: beim Jammern bekommen sie Aufmerksamkeit. Mitleid. Und sie haben gelernt, dass andere ihre Aufgaben übernehmen, wenn sie genug jammern. Jammern hat sich für sie bewährt, um nicht die Verantwortung tragen zu müssen.

Wer jammert, ist in einer Opferrolle

Genau das ist der Punkt: Jammerer wollen keine Verantwortung tragen. Sie verharren in ihrem Jammersumpf und machen keine Fortschritte.

„Wer sich gemütlich festjammert, braucht nichts zu ändern und vermeidet die Selbstkonfrontation“, sagt die ehemalige Studienrätin Ute Lauterbach.

Für Gewohnheitsjammerer steht fest: die Umstände sind schlecht; andere(s) schuld an ihrer Situation. Sie geben die Verantwortung an etwas oder jemanden ab und sind nicht mehr Lenker ihres Lebens, sondern Opfer. Das kostet viel Energie, verhindert Glücksgefühle und „vergiftet“ die Stimmung. Bestimmt kennst Du solche Kollegen, Bekannte oder Verwandte, die Dir Deine Energie absaugen. Energievampire.

Raus aus dem Jammertal

Jammern beginnt im Kopf. Jeder macht sich seine eigenen Filme, führt innere Dialoge. Manches Kopfkino hätte einen Oscar verdient. Und trotzdem: 90% der Dinge, um die Du Dich sorgst, treten nie ein. Schonmal bemerkt? Außerdem verhindern Sorgen und Befürchtungen auch nicht bestimmte Entwicklungen im Leben. Warum sollten wir es uns dann unnötig schwer machen?

Gehörst Du auch zu den Menschen, die unnötig schnell und gerne jammern? Es ist Deine Entscheidung, Dich besser zu fühlen. Übernimm Verantwortung. Jeder hat die Wahl: jammern oder eine Lösung finden.

„It’s bitter or better“ sagt der US-Coach Nick Vujicic, der sich trotz seiner Behinderung für ein glückliches Leben entschieden hat.

Wir können unser Leben gestalten. Jeder darf sich ein Leben schaffen, dass er sich wünscht und das zu ihm passt. Wie das geht? Indem wir unsere Umstände verändern und wenn das nicht möglich ist, indem wir unsere Einstellung dazu ändern.

„Eine bittere Gurke? Wirf sie weg! Dornensträucher im Weg? Weiche ihnen aus! Das ist alles. Frage nicht noch: Wozu gibt es solche Dinge in der Welt?“ – Marc Aurel

Nebenwirkungen des Nichtjammerns

Stell Dir vor, Du selbst achtest auf Deine Gedanken und Deine Einstellungen. Jammern gibt´s nicht mehr. Das wird nicht ohne Nebenwirkungen bleiben. Du könntest

  • fröhlicher und ausgelassener sein
  • Muskelkater vom Lächeln und Lachen bekommen
  • Dir das Mitleid der Noch-Jammerer zuziehen
  • kreativer und produktiver sein
  • mit viel Freude und Spaß arbeiten
  • riskieren, dass Dein Umfeld Dich für ver-rückt hält.

Magst Du das Risiko eingehen? Dann schlage ich Dir die Teilnahme an einer Challenge vor. Die Idee ist von Karin Wess, die einlädt, sieben Tage konsequent nicht zu jammern. Das ist natürlich viel leichter, wenn Du andere motivierst, die Herausforderung ebenfalls anzunehmen.

Im Büro kann das ganz hervorragend funktionieren. Ich habe es getestet. Die ersten zwei Tage liefen nicht so gut. Obwohl ich kein Gewohnheitsnörgler bin, habe ich mich trotzdem manches Mal dabei ertappt, mich zu beklagen. Über das lahme Internet, die Post, die immer so spät kommt oder die Software, mit der ich noch nicht 100% klarkomme. Außerdem war das Jammern von anderen auch noch „ansteckend“.

Für meine Bürotür habe ich mir nun ein Schild gedruckt: „Jammerfreie Zone“. Danach fragt natürlich jeder, der ins Büro kommt und ich kann ihm erklären, worum es geht. Das hilft schon. Und erinnert auch mich immer wieder an die Challenge. Versuch´s doch auch: hier kannst Du Dir das Schild herunterladen.

5 Ideen für den Umgang mit Jammerern

So. Bei uns persönlich ist nun alles klar. Die Entscheidung gegen Jammern ist getroffen. Vielleicht machst auch Du bei den Anti-Jammer-Tagen mit. Bleiben noch die anderen. Die Kollegen und Mitarbeiter, die immer wieder bei Dir stehen, damit Du Dir ihre Geschichten anhörst. Über Krankheiten, ungerechte Chefs, zu teures Essen in der Kantine, Staub auf dem Schreibtisch oder das Wetter, das wieder nicht das richtige ist. Wie lassen sich solche Jammertiraden stoppen?

  1. Manchmal reicht es schon, das Gespräch auf Positives zu lenken. Wenn jemand von Krankheiten spricht, fällt Dir vielleicht jemand ein, der in einem ähnlichen Fall ganz schnell wieder gesund wurde. Oder dass der ungerechte Chef sich im letzten Jahr doch so stark gemacht hat für den Teamausflug, bei dem alle einen tollen Tag hatten. Einige Jammerer übernehmen dann gerne den positiven Gedanken.
  2. Sobald Dir ein Kollege oder Mitarbeiter von Problemen erzählt, frag ihn nach seinem Lösungsvorschlag. Ich erlebe es oft, dass der andere dann zögert und sich herausreden will. Einfach am Ball bleiben: „Ach komm, da fällt Dir bestimmt etwas ein.“
    Einer meiner Chefs war da immer ganz konsequent. Er hatte für jeden im Unternehmen ein offenes Ohr, von der Führungskraft bis zum Hilfsarbeiter an der Maschine. Es gab nur eine Voraussetzung: wer über ein Problem reden möchte, der bringt auch gleich Lösungsvorschläge mit.
  3. Humor kann Dich unterstützen, den Jammerzyklus bei anderen zu unterbrechen. „Bei diesem Regen werde ich depressiv.“ – „Echt? Ab dem wie vielten Tropfen denn?“ Übertreib doch einfach das Gesagte so stark, dass es lächerlich wirkt.
  4. Bei den eingefleischten Nörglern und Grantlern wird das weniger fruchten. Es hat sich bewährt, dann deutlich zu sein und unmissverständlich zu sagen, dass die negative Haltung und das Lamentieren belastend sind und klarzustellen, worüber Du sprechen möchtest.
  5. Dann gibt es noch die echten Härtefälle. Für die habe ich auch noch keine „rettende Lösung“ gefunden, sondern da rette ich mich selbst. 😉 Ich vermeide Unterhaltungen mit diesen Energievampiren. Keinesfalls frage ich sie, wie es ihnen geht. Die Antwort kenne ich eh.

Weitere Anregungen für jammerfreie Zonen

Glücksbohnen

„Einwandfrei“, ein Projekt von Will Bowen in den USA

Oder wie wäre es mit der Teilnahme an einem Beschwerdechor? 😉 Das finnisch-deutsche Künstlerpaar Tellervo Kalleinen und Oliver Kochta-Kalleinen hat mit den Chöre eine weltweite Bewegung des lustvollen Jammerns initiiert. Hier ein Beschwerdechor aus Hamburg.

Und zum guten Schluss noch heitere Gedanken über jammernde „Bewohner“ dieses Planeten, und wie Tobias Beck mit ihnen umgeht. Lustig und absolut sehenswert:

Zusammenfassung: Klaglos glücklich. Einwandfrei.

Notorische Nörgler und Jammerer sehen sich als Opfer der Umstände und sind oft auch im Arbeitsumfeld wahre Energievampire.

Kläre für Dich Deine Einstellung zum Jammern, triff eine Entscheidung und übernimm die Verantwortung.

Lass Deine Stimmung nicht von Grantlern vergiften, sondern mach allen klar: „Das ist eine jammerfreie Zone!“

Wie gehst Du mit notorischen Nörglern um? Welche Tipps hast Du?

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