Personalmarketing auf der Job & Career 2016

Personalmarketing auf der Job & Career 2016

Was hat Personalmarketing mit der CEBIT zu tun? Die Messe ist der beste Platz, um mit den heiß begehrten IT-Experten ins Gespräch zu kommen. Viele Jahre lief das auf den Ausstellerständen „nebenher“. Wurde ein Messebesucher als Fachmann enttarnt, startete das Werben um diesen potenziellen neuen Mitarbeiter.

Mittlerweile bietet die Messe auch offiziell diesen Raum, in dem Personaler für IT-Berufe im eigenen Unternehmen werben können: die Job & Career. Dort können sich die Personaler ins Zeug legen, um sich für potenzielle Mitarbeiter attraktiv zu präsentieren. Noch größer können die Kontaktmöglichkeiten zur richtigen Zielgruppe kaum sein.

© Silke Glüsenkamp, fotografiert auf der Job & Career 2016www.silkegluesenkamp.com (11)

Da gerade der IT-Fachkräftemangel massiv beklagt wird, habe ich ein Feuerwerk an faszinierenden Arbeitgeberauftritten, neuen Methoden und spannenden Ideen erwartet. Das schon vorab: Es war bei weitem nicht so spannend, wie ich gehofft hatte. Nur wenige Aussteller konnten mich überzeugen, dass IT nicht langweilig ist, sondern ein spannendes Berufsfeld und haben sich als interessanter Arbeitgeber präsentiert.

Ich zeige Dir einfach ein paar Bilder, ein paar Impressionen und kommentiere dazu. Vielleicht ergibt sich für Dich daraus eine neue Idee – oder eine ältere wird wieder aktuell.

Die Bundeswehr

Diesmal nicht mit Panzer, sondern mit Container, der ein Teil der mobilen Kommandoeinheit der Luftwaffe ist. Der Stand war gut besucht und ich hatte den Eindruck, dass das Auftreten authentisch war. Wobei mich bei der Aussage schon ein nahestehender Verwandter fragte, ob die Besucher stramm stehen mussten und angeschrien wurden. Falls nicht, habe der Messeauftritt wenig mit Authentizität zu tun.

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Dass die Bundeswehr oft im Mittelpunkt von Kritik steht, haben sie einfach in eine freche Ansprache der Besucher verpackt.

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Campushunter

Der kleine Stand war auch meist von Besuchern umringt. Wohl weniger, um sich zu informieren, als um vielmehr die Karten mit den flotten Sprüchen einzusammeln. Die Postkarten und kleinen Poster sind witzig gemacht; ich habe auch gleich einige mitgenommen. Und frage mich gerade: Was macht Campushunter eigentlich?

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Ach ja, noch mehr Sprüche und e-Cards findest Du unter diesem Link. Lesen und schmunzeln. Oder vielleicht sogar einen Spruch versenden? 😉

Arvato Bertelsmann

Hatte gleich zwei Stände. Müde wirkende Herren mit einer Sprich-mich-besser-nicht-an-Miene in mausgrauen Manageruniformen belagerten einen der Stände. Der andere blieb  leer – hm, überschätzt?

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Nachtrag: Ich habe die Info erhalten, dass die diesjährige Job & Career so wenig Aussteller hatte, dass die „Lücken“ gefüllt werden mussten.

Carreer wishes

Eine nette Idee der Veranstalter, den Besuchern einen Platz für ihre Karrierewünsche zu bieten. Vielleicht hätte es mehr Wünsche gegeben, wenn ein Stift zur Verfügung gestanden hätte. Und wie altbacken wirkt diese Wünsch-dir-was-Wand im Zeitalter der Digitalisierung?

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Kaufland

Ein schlichter Messestand mit Kaufland-Logo und dem Claim ¨Spannende IT.¨ Da konnte ich nicht kommentarlos vorbeigehen und habe die drei Kauflandstatuen, die sich wie die Leibgarde der Queen direkt vor dem Stand positioniert hatten, gleichmal provoziert, wie denn IT spannend sein kann. ¨Nicht? Dann sind Sie hier auf der falschen Messe.¨

Im Gespräch mit einer Mitarbeiterin von Kaufland erklärte sie, dass die Teilnahme an der Job & Career eine gute Entscheidung gewesen sei. Niemand würde vermuten, dass das Handelsunternehmen mehrere hundert Mitarbeiter im IT-Bereich beschäftige. Die Messe sei eine gute regionale Präsentationsmöglichkeit und sie hätten viele positive Gespräche geführt.

Hugo Boss

Ein toller Trailer, als Messestand sehr stylisch, wie es einem Modelabel entspricht. Der Auftritt als attraktiver Arbeitgeber war etwas mau. Zwar konnte man sich am Stand an mobilen Endgeräten über die offenen Stellen informieren, doch dieses moderne Image war nicht durchgängig umgesetzt. Eine mit Stellenanzeigen zugeklebte Scheibe des Messestandes machte dann doch den Eindruck von hemdsärmeliger Papier-IT.

Abgesehen davon, dass die Mitarbeiter auf dem Stand wahrscheinlich alle Hugo Boss Bekleidung trugen, hat es das Unternehmen aus meiner Sicht nicht geschafft, eine gute Verbindung zwischen Job und Marke herzustellen.

Neben dem eigenen Messestand hatte Hugo Boss auch noch prominenten Platz an der „Jobwall“:

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Vodafone

Der Stand war in den Unternehmensfarben durchgestylt, die Mitarbeiter auch. Mein Blick blieb an einer Vitrine mit Nagellack hängen. Was zum Teufel hat Vodafone mit Nagellack zu tun? Stand er in der Vitrine wegen der Unternehmensfarben? Nee, es war noch merkwürdiger: „polish your career“ war auf den Fläschchen zu lesen.

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Soll das witzig sein? Frauen in der IT Branche ansprechen? Kommt bei mir sehr zweifelhaft an. Oder sucht Vodafone IT-Babes, die mehr Wert auf Nagellack legen als auf Spaß an der Arbeit?

Rohde & Schwarz

Der Stand fiel mir erstmal negativ auf, weil er keinen Eingang hatte. Irgendwo lief ein Display ¨Crack the Code¨… Besucher waren auch keine zu sehen. Zumindest auf den ersten Blick.

Beim zweiten Hinschauen fielen mir dann zwei junge Männer im Blaumann auf, die eine Kamera in den Kasten hielten und außerdem an einem Laptop offensichtlich das Treiben in dem Kasten beobachteten.

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Wow – das war ein Escape Game! An dem Stand waren keine Menschen zu sehen, weil sie in dem Kasten gefangen waren. Wer sich dort einsperren ließ, hatte 30 Minuten Zeit um diverse Rätsel und IT-Herausforderungen zu lösen.

Eine großartige Idee! Jeder Jugendliche kennt Computerspiele und wird die Gelegenheit, so etwas in Realität zu spielen, lieben. So war es auch. Die gesamten Escape-Sessions waren ausgebucht; einzig am letzten Messetag gab es noch ein freies Zeitfenster.

Aus Personalmarketingsicht grandios. Die Ergebnisse des Escape Games werden zurzeit noch nicht für die Mitarbeiterauswahl eingesetzt, doch der Gedanke wird bereits verfolgt. Hier gehts zur Webseite – tolles Recruitainment. Respekt.

Ach ja – und interessierte IT-Unternehmen können in einer Partnerschaft sogar von diesem Spiel profitieren.

Zusammenfassung: Da geht noch was!

Leute, Leute – da laufen Euch nun DIE heiß begehrten Fachkräfte und Nachwuchs-IT´ler direkt in die Arme und dann sollen Nagellack und Papierzeugs die Experten überzeugen? Wie gut kennst Du Deine Zielgruppe? Ich habe den Eindruck, da darf noch Zeit investiert werden.

Vorbildlich: Rohde & Schwarz mit dem Escape Game „Crack the Code“. Was kannst Du daraus für Dein Unternehmen ableiten?

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Silke,

    vielen Dank für diesen ehrlichen und erfrischenden Einblick. Ich hätte Lust, das mit dir mal persönlich zu diskutieren.

    Was mir im Kopf rumgeht (auch aus der Praxis):

    Ist die Karrieremesse an für sich noch ein passendes Mittel, um Leute auf sich aufmerksam zu machen? Immerhin steht man direkt neben der Konkurrenz und buhlt um dieselben „Zielgruppen“? Und gerade bei digitalen Themen ist das doch irgendwie ein Widerspruch.

    Wen schickt man auf so eine Messe als Unternehmen? Personaler, Fachleute oder Verkäufer?

    Zum Thema IT: Ich arbeite mit vielen Anbietern digitaler Produkte und stelle immer wieder dasselbe fest: sie haben tolle technische Ideen, lösen Probleme und kreieren hilfreiche Produkte. Aber: sobald man Unterstützung braucht, fehlen die Kompetenzen. Das ist interessanter Weise bei amerikanischen Unternehmen anders. Die Service-Mitarbeiter dort melden sich schnell, haben Ahnung und können kommunizieren. In Deutschland hingegen ist man besser dran, wenn man sich YouTube-Tutorials anschaut, als sich an den Support zu wenden. Nicht mal die Hilfeseiten sind so gestaltet, dass man Antworten bekommt.

    Mein Fazit dazu: Ja, IT wird immer wichtiger, und wer programmieren kann ist KönigIn. Doch es reicht leider nicht, mehrere Programmiersprachen zu können, man muss auch mit den Nutzern und den Kunden auf deren Ebene sprechen können – in deren Sprache. Das heißt: für jeden Programmierer braucht man jemanden, der das, was dieser entwickelt, unter die Leute bringen kann – und quasi übersetzt. Für mich heißt das: Kommunikationstalente sind ebenso gefragt wie Entwickler. Und sollten ebenso umworben werden.

    Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Viele Grüße und nochmals vielen Dank für die tollen Fotos

    Gaby

    PS: Das Escape-Game lässt hoffen.

    1. Liebe Gaby,

      ein tolles Thema, das Du ansprichst: Ist so eine Messe noch der richtige Weg? Erst recht mit Blick auf die Digitalisierung?

      Messen finde ich toll. Da habe ich gleich die potenziellen Mitarbeiter im Gespräch, kann auf sie eingehen und reagieren. Bei einigen Unternehmen haben sich gezielt Bewerber gemeldet, ihre Unterlagen mitgebracht und Gespräche geführt.

      Wer ist der richtige Unternehmensvertreter auf der Messe? Ein Team. Recruiting ist Teamwork. In Hannover hätte ich mir Personaler und IT´ler als Ansprechpartner auf der Messe gewünscht.
      Für die Job & Career im Rahmen der CEBIT gilt aus meiner Sicht: Wo sonst finde ich so viele Spezialisten und Experten auf einem Fleck? Vor den Standnachbarn, der „Konkurrenz“ fürchte ich mich nicht. Wer sich gut präsentiert hat die Nase vorne. Ich würde das Ansprechen der potenziellen Mitarbeiter allerdings nicht auf den Messeauftritt beschränken, sondern ein paar Talentfinder auf den Weg bringen, die aktiv bei den Ausstellern nach den richtigen Kandidaten Ausschau halten.

      Deine Erfahrungen zum Service bei IT-Themen in Deutschland und den USA teile ich. Wer die Nutzer von digitalen Produkten beraten und unterstützen soll, darf in der Lage sein, die Sicht des Anwenders einzunehmen. Und den fachlichen Inhalt in Anwendersprache zu übersetzen. Viele Unternehmen können da den Blick auf die Spieleanbieter richten; die Unterstützung, die ich in dem Rahmen erfahren habe, war meist sehr gut.

      Vielleicht ergibt sich aus der Kombination Kommunikationstalent und Programmierung ein neues Berufsbild. Softskills und Softwareskills vereint. Wenn Programmierung nicht so verdammt logisch wäre, würde ich es glatt versuchen. 😉

      Herzliche Grüße
      Silke

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