Mehr Klartext, weniger Wortnebel – wie Deine besser Stellenanzeige wirkt

Effektive Stellenanzeige mit Klartext

Wie wissen interessierte Kandidaten, dass Du sie suchst? Du wirst wahrscheinlich eine Stellenanzeige formulieren. Sei es nun für ein Printmedium oder ein Online-Stellenportal. Einmal getextet reicht, lautet oft die Devise und aus der guten alten Stellenanzeige für die regionale Tageszeitung wird ein Online-Inserat erstellt. 1:1. Na gut, manchmal werden Links eingefügt, damit der Bewerber schneller den Weg zum Bewerbungsportal findet. Und fertig.

Randbemerkung: Die Online-Anzeigen bieten so viele andere Möglichkeiten als einfach nur einen Text zu veröffentlichen. Prüf einfach mal die vielen Optionen. In diesem Artikel findest Du das Beispiel von Buffer, die ihr Unternehmen für den Bewerber sehr transparent machen, einschließlich Gehalt.

Stellenanzeige leicht gemacht

Ich rate hilfesuchenden Bewerber regelmäßig, sich für ihre Bewerbung Zeit zu nehmen. Die individuelle Gestaltung ist nicht in 10 Minuten erledigt. Das Gleiche gilt für eine gute Stellenanzeige.

Schneller und leichter – dieser Trend hat sich auch bei Stelleninseraten durchgesetzt. Im Internet findest Du zahlreiche Anleitungen und Muster zum Download. Wen wundert es, dass dann alle Anzeigen gleich klingen? Einheitsbrei und Floskelfallen, vollgestopft mit Worthülsen, die alles Interessante vernebeln. Austauschbare Texte, die alles einfacher machen. Und egaler – nicht nur im Sinne von gleich, sondern auch gleichgültig.

Stellenanzeige leicht gemacht

Wie wirkt es auf Dich? Reicht es für ein müdes Gähnen oder ist das schon zu viel Aktivität? Hier findest Du noch mehr  Gründe, warum Deine Stellenanzeige nicht funktioniert.

Warum der Einheitsbrei?

Ich vermute hinter den inhaltlich so verwandten Stellenanzeigen viel Bequemlichkeit. In den meisten Unternehmen gibt es fertige Textbausteine, die schnell wie ein Puzzle zusammengefügt werden können. Das hat dann auch den Vorteil, dass sie „politisch korrekt“ sind; sie sind ja im Vorfeld geprüft worden.

Womöglich steckt hinter der Floskelsammlung auch die Angst, etwas Falsches zu sagen und sich eine Blöße zu geben. „Also wird die Sprache in verschachtelte Satzungetüme gebaut und zu einem Sperrgut aus Leerformeln aufgetürmt“, wie der Philosoph Jürgen Werner erklärt. Die Sprache sei angstbesetzt. Angst vor dem, was Menschen menschlich sein lässt.

Genau DAS suchen unsere potenziellen Kandidaten doch: Informationen über eine neue Arbeitsstelle und „wie es dort so ist.“ Es geht den meisten Bewerbern nicht einfach nur um Aufgaben und Routinen, sondern auch darum, ob sie sich wohl fühlen werden und das Unternehmensumfeld und die –kultur zu einer guten Arbeitszeit beitragen. Arbeitszeit ist auch Lebenszeit – und das Leben darf viel Spaß machen.

Denglisch ist hip?

Vielleicht hast Du das auch schon erlebt: Kaum bist Du in einer Runde von Führungskräften oder Experten, fühlst Du Dich wie im Ausland? Das Gewinnen von Mitarbeitern ist Recruiting, was der Bewerber im Kontakt mit dem potenziellen Arbeitgeber erlebt ist Candidate Experience und am Ende zählt nur, das Active Sourcing noch performanter zu gestalten, um Top Candidates zu sourcen, die langfristig den Corporate Braintrust sichern. Um besser verstanden zu werden, lässt sich das Fachchinesisch doch ganz einfach in Klartext übersetzen.

Englische Fachbegriffe sind dann richtig eingesetzt, wenn bestimmte fachliche Qualifikationen so am Deutlichsten beschrieben werden. Nachvollziehen kann ich auch, dass manchmal deutsche Stellenbezeichnungen zu verstaubt klingen. In dem Moment, wo ich mit einer englischen Stellenbezeichnung meine Zielgruppe erreiche, ist der englische Titel sinnvoll. Der Köder muss schließlich dem Fisch schmecken.

Die Grenzen der englischen Stellenbezeichnungen werden regelmäßig überschritten. Bei Titeln wie Server Ninja oder Lead Control Tower kann der potenzielle Kandidat dann einfach mal raten, ob sich das Weiterlesen lohnt.

Streich Floskeln und Worthülsen

Wie die „leicht gemachte Stellenanzeige“ oben zeigt, sind viele Stelleninserate so ähnlich, dass sie problemlos für eine Vielzahl von Stellen und Unternehmen genutzt werden können. Gleichförmig wabern sie durchs Netz.

Dabei kommt es doch darauf an, den einen richtigen Kandidaten zu begeistern. Ihm klar zu machen, dass diese eine Stelle sein absoluter Traumjob ist. Und dazu darf sich das Unternehmen mit seiner ganz eigenen Kultur und einem einzigartigen Arbeitgeberversprechen positionieren.

Was bedeutet „Teamfähigkeit“ oder „Belastbarkeit“ in Deinem Unternehmen? Die Bedeutung ist nicht für jeden die gleiche. Welche Erwartung steckt dahinter? Viele Interpretationsmöglichkeiten. Was erwartest Du von Deinem Wunschkandidaten? Formulier einfach konkret. Warum Stellenanzeigen mit Plattitüden überflüssig sind, schreibt Bernd Slaghuis.

Biete dem potenziellen Mitarbeiter ein Warum

Gib dem Bewerber einen Einblick in die Unternehmenswerte und –mission. Gib Ihnen ein „Warum.“

Any sacrifice must be in pursuit of something greater AND have a foreseeable end point. If it doesn’t, it’s not sacrifice, it’s torture. – Simon Sinek –

Simon Sinek nennt in seinem Buch “Start with Why” das Beispiel der Endurance-Expedition.

Der Expeditionsleiter hätte mit folgendem Text nach Teilnehmern suchen können: „Men needed for expedition. Minimum five years‘ experience. Must know how to hoist mainsail. Come work for a fantastic captain.”

Und er entschied sich angeblich für diese emtionale Stellenanzeige: „Men wanted for hazardous journey. Small wages, bitter cold, long months of complete darkness, constant danger, safe return doubtful. Honour and recognition in case of success.“

Der Unterschied wird deutlich, dazu braucht es auch keine Bilder oder Fotos. Allein durch die Wahl der Sprache ändert sich die Wirkung massiv.

Biete dem potenziellen Kandidaten in der Stellenanzeige ein Warum an, statt nur über seine Aufgaben, das Was zu schreiben.


Die Stellenanzeige soll nicht einfach informieren, sondern inspirieren.


Zielgenaue Ansprache der Wunschkandidaten

Werbung und Marketing nutzen geschickt Sprache, um die potenziellen Kunden zu erreichen. Die sprachliche Wirkung der Anzeigen und Werbespots ist geplant und wird nicht dem Zufall überlassen. Das lässt sich auch für Stelleninserate nutzen, denn die Anzeigen sind nur eine andere Form von Werbung. Mittels Anwendung von Sprach- und Strukturelementen sprichst Du Deine optimalen Bewerber an.

Mal angenommen, Du hast eine Stelle in der Buchhaltung zu besetzen. Dann ist der optimale Bewerber wahrscheinlich eher detailorientiert und prozedural. Mit diesem Wissen kannst Du auch geschickt formulieren. „Knifflige Planungen, Details im Blick, gründliche Arbeit von Anfang bis Ende, Checklisten, Schritt für Schritt, tabellarischer Lebenslauf“ sind Aussagen, die den potenziellen Kandidaten aufgrund seiner Muster ansprechen werden.

Die Sprache ist das Haus des Seins. – Martin Heidegger –

Eine gute Stellenanzeige ist ein Lasso

Ein optimales Stellenangebot wirkt wie ein Lasso, mit dem Du das Interesse des potenziellen Kandidaten einfängst. Sei klar und konkret in Deiner Sprache; schreib konkret statt Dich hinter Phrasen und Floskeln zu verstecken. Biete dem Bewerber ein Warum. So wird Deine Stellenanzeige „aus den grauen Plattenbauten wie eine Villa Kunterbunt hervorleuchten“ (Zitat von Martin Wehrle).


Mach aus Deiner Stellenanzeige eine Villa Kunterbunt zwischen all den Plattenbauten.


Was nervt Dich am Meisten in Stellenanzeigen? Teile es im Kommentar.

Wirksame Stellenanzeigen schreiben

 

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