Was PersonalerInnen von einem Pater lernen können

© ra2 studio

Skeptisch hielt ich die Einladung zum Unternehmerfrühstück in der Hand. Pater Anselm hält einen Vortrag auf der Sonnenkönigin. Eine Predigt auf einem Partyschiff? Nach einigem Hin und Her entschied ich mich für die Teilnahme. Ich bin ganz ehrlich: nicht vorrangig wegen des Vortrags oder des angepriesenen Frühstücksbuffets, sondern wegen der Sonnenkönigin.

Aus dem Parkhaus strömten in Anzügen und Kostümen uniformierte UnternehmerInnen. Grau in Grau, hier und da mal Schwarz oder ein dunkles Blau. Wie auf einer Beerdigung, auf der ich im orangen Mantel auffällig leuchtete. Und nur wer sich zeigt, wird auch wahrgenommen – ganz im Sinne einer Celebrity Personalerin. ;o)

Was kann ein Geistlicher der Wirtschaft vermitteln?

Ein Mönch hinter Klostermauern, der die Manager und Führungskräfte zur Christlichkeit bekehren will? Meine Skepsis war groß. Ich bin christlich erzogen worden und in meinen Berufsjahren habe ich schnell verstanden, dass der Unternehmenszweck nicht Nächstenliebe ist. Mich interessiert, was in der Praxis funktioniert, ganz unabhängig von der Quelle. Und dass Klöster schon seit Jahrtausenden Bestand haben, spricht für ein Erfolgsrezept. Pater Anselm führt selbst ein „Unternehmen“ mit 20 Betrieben und 300 Mitarbeitern: die Abtei Münsterschwarzach. Das Thema Führung ist also nicht nur graue Theorie für ihn.

Das Führungsmodell: Führen durch Menschlichkeit

„Menschen führen – Leben wecken“ lautete der Vortrag von Pater Anselm und im Übrigen auch sein gleichnamiges Buch. Abgeleitet aus den Benediktinerregeln beschreibt Pater Anselm vor allem die persönlichen Voraussetzungen, die eine Führungskraft benötigt, um erfolgreich Mitarbeiter zu führen. Ziel dieses Führungsmodells ist es, ein konstruktives Betriebsklima herzustellen. Nur wer es schaffe, so seine Mitarbeiter zu individueller Größe anzuleiten, sei eine gute Führungskraft.

Sich selbst führen

Selbstmanagement sei die Grundvoraussetzung, um andere führen zu können. Dabei geht es Pater Anselm nicht um Methoden, sondern um die charakterliche Reife der Führungsperson. „Wer führen will, muss erst sich selbst führen können.“ Nur wer an sich selbst arbeitet und sich in seiner Einzigartigkeit anerkennt und seinem Ruf folgt, bringe die Basis für das Führen von anderen mit. Es sei Energieverschwendung, sich selbst zu verleugnen und eine Fassade nach außen zu kehren – vielleicht sogar in guter Absicht. In dem Fall würde derjenige seine Unzufriedenheit und Unzulänglichkeit auch unbewusst auf andere projizieren. „Manchen Managern täte es besser, sich zuerst einmal mit sich selbst zu beschäftigen und die eigene Seele zu erforschen, anstatt sich gleich mit schwierigen Mitmenschen zu beschäftigen und mit einer besseren Organisation der Firma zu befassen“. Deutliche Worte, bei denen der eine oder andere im Publikum etwas unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschte.

Ein positives Menschenbild

Selbsterkenntnis und -annahme, dieses In-Sich-Ruhen sei Basis dafür, auch das Wesen der anderen zu würdigen. In jedem Menschen steckt ein guter Kern. Die Aufgabe der Führungspersonen sei es, die Individualität zu erkennen und jeden Einzelnen zu fördern. Die Aufgabe soll sich nach dem Menschen richten und nicht umgekehrt.

Bei dieser Aussage krampfte mein Magen. Ich verstehe die gute Absicht hinter dieser Aussage, dass jeder Mitarbeiter entsprechend seiner Fähigkeiten und Potenziale eingesetzt werden soll. Allerdings ist es aus Unternehmenssicht wenig realistisch, die Organisation um die Menschen zu bauen. Ganz abwegig ist es nicht. Ich erlebe es immer wieder, dass es in Unternehmen diesen einen, sehr speziellen, im Umgang oft etwas schwierigen Mitarbeiter gibt, der fachlich einfach nicht wegzudenken ist. „Den alten Sturkopf drehen wir nicht mehr um“ ist dann eine beliebte Aussage, und das Arbeitsumfeld wird entsprechend den Eigenheiten des Mitarbeiters angepasst. Aus einem organischen Wachstum nachvollziehbar. Als Modell für die Zukunft, für die Mitarbeitergewinnung schlichtweg nicht realisierbar.

Hier geht es vielmehr darum, die Anforderungen an die Mitarbeiter vor der Einstellung deutlich zu dokumentieren. Nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. Dann ist es möglich, durch ein gutes Auswahlverfahren genau die Mitarbeiter zu finden, die an der Stelle optimal ihre persönlichen Stärken und Fachkenntnisse einsetzen können.

Der Umgang mit den Menschen

Anselm Grün erinnerte daran, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen oder „von oben herab“ mit den Mitarbeitern umzugehen. „Wer andere führt, soll immer wissen, dass er auch nur ein Mensch ist.“ Wer sich selbst gut führt, wird sich nicht über andere stellen.

Im Umgang miteinander sei eine wertschätzende Kommunikation sehr wichtig. Es gehe um Herzenssprache, Lob und Wertschätzung.

Die Sorge für sich selbst

Pater Anselm traf mit diesem Punkt wahrscheinlich für viele Unternehmer den Nerv der Zeit. Jede Führungskraft solle mit den eigenen Kräften gut haushalten. Ein voller Terminkalender sei nicht immer ein Zeichen für Wichtigkeit, sondern womöglich auch Arbeitssucht oder Überforderung. Jeder Verantwortliche solle sich regelmäßig Zeit nehmen für Stille und Besinnung, um im Frieden mit sich selbst zu sein. Und damit schließt sich wieder der Kreis: denn nur wer sich selbst gut führt, kann andere führen.

Zusammenfassung: Die Einzigartigkeit der Menschen anerkennen und sie individuell fördern

Basis guter Führung ist die Anerkennung der Menschen in ihrer Einzigartigkeit und ihrer Originalität. Zunächst müssen wir uns selbst kennen und weiter entwickeln, bevor wir versuchen, andere zu führen.

Sei Du selbst.

Sorge für Dich.

Erkenne die wunderbare Einzigartigkeit der Menschen.

Führe die Mitarbeiter zu individueller Größe.

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Ein Kommentar, sei der nächste!

  1. Ein wunderbarer Artikel, Silke! Danke.

    Ja, ich kann nur zustimmen. Auch wenn die Umsetzung schwierig erscheint. Es lohnt sich. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, wenn man Menschen wertschätzt und sie in ihrer Lebendigkeit und ihrem Sein anerkennt, dann sind sie bereit, alles von sich zu geben.

    Ich durfte das in meiner Theaterarbeit erleben. Als Regisseur und Lehrer durfte ich Ensembles führen. Je authentischer und grosszügiger ich selbst war, desto authentischer und grosszügiger waren meine Schauspieler.
    Und das Publikum durfte davon profitieren. 🙂

    Schlussendlich darf man nur die Effizienz nicht an erste Stelle setzen. Sie kommt automatisch, wenn man in den Menschen investiert.

    Ich grüsse dich!
    miRjana

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